Zeit der Asche

fieberglastraeume

erschienen in „Fieberglasträume“
Kurzgeschichtensammlung
Begedia Verlag
ISBN: 978-3-943795-40-0

Eine Kooperation mit
Frank Hebben

„Wie ein blasses Rückgrat spannt sich das Gerippe der Brücke kilometerweit über den Kanal, durchschneidet die Nebel in beständigen Kurven, wiegt sich im Wind, nutzlos und leer. Dem Inferno, in dem Waffen, Bomben und Feuer die Schneise des Gradienten ins Land geschnitten haben, ist sie entgangen. Doch die reißenden Fluten, die der maßlosen Zerstörung folgten, haben ihr das Ziel genommen: London, versunken in Wasser und Sturm. Am anderen Ende wuchert das Innere der gigantischen Spalte. Mitten im Krieg ist das Land zerteilt, wie ein Leib, der vom Schwert geschnitten wird. Die Wunde ist geblieben, im Norden schwärend, feucht und faulig. Lebend. Im Süden wund, schwarz, abgestorben.“

Heiliger Regen

phantast_jahrbuch2012

erschienen in „Phantast Jahrbuch 2012“

Alle Infos

„Das blasse, ausgemergelte Gesicht des Burschen schien dem Tode näher als dem Leben. Im trüben Licht der Talglampen, die vereinzelt auf den Tischen der Schänke Licht spendeten, wirkte er fast geisterhaft, unsichtbar. Vor ihm auf dem Tisch lag ein seltsames Besteck, dazwischen schmale, blasse Stränge von Fleisch, durchzogen von scharf gezackten Gräten. Seine Finger und das, was er dort vor sich liegen hatte, trugen den verhassten Gestank von Fisch an sich. Er nahm einen der langen Stränge und zerteilte ihn mit fahrigen Händen. Seine Haut leuchte fahl, Schweiß glänzte auf seinem Gesicht. Sein Blick war starr, die Haare matt und wirr. Er selbst stank, doch das fiel nicht sonderlich auf zwischen den übrigen heruntergekommenen Gestalten, die auf den Banken der Gaststube herumlungerten. Einige andere beschäftigten sich ebenfalls damit, Fische zu zerteilen. Gehetzte Blicke eilten durch den Raum. Stille herrschte.“

Reichspunks

nova20

erschienen in „NOVA SF Magazin Nr. 20“
Kurzgeschichtensammlung
NOVA SF Magazin

„Er hatte gewusst, dass es ein Fehler gewesen war, diese Familie hier aufzunehmen. Im halben Zimmer, versteckt hinter Raufasertapete und einem schweren Bücherregal.
Wie lange hätte das gutgehen sollen?
Aber was nutzte das Lamentieren – hatten sie denn eine Wahl gehabt? Die armen Schweine waren verfolgt worden. Durch die Straßen gejagt von der Stapo. Strolch hatte ein seltsames Talent dafür, hilfsbedürftigen Menschen über den Weg zu laufen. Vielleicht lag das aber auch nur daran, dass es so viele Leute gab, die verfolgt, beschuldigt oder irgendwie sonst drangsaliert wurden. Jedenfalls brachte Strolch oft solche Leute hierher, oder er kam, um irgendwelche Unterlagen für Sie herstellen zu lassen. Was wiederum Geists Aufgabe war. Dieser Familie hier drohte die Abschiebung oder ein Arbeitslager. Keine Papiere. Irgendein ungeschickter kleiner Diebstahl aus Hunger. Man wollte sie mit Sicherheit nach Barmbek bringen. In den Ausgliederungsbezirk.“

Die Tage des Kraken

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erschienen in „2012 – T minus Null“
Erzählungen
Begedia Verlag
ISBN: 978-3-943795-17-2

„Die Sekte war wie aus dem Nichts aufgetaucht, kurz nach dem Fund eines riesigen Kraken vor der Küste von Norwegen. Mehrere solcher Funde waren aus aller Welt gemeldet worden, innerhalb weniger Wochen. Sie waren nicht winzig, sondern gigantisch. Fangarme von mehr als zwanzig Metern Länge, ein Körper wie ein Pottwal. Der norwegische Kraken war der einzige gewesen, der noch gelebt hatte. Und angeblich immer noch lebte. Jetzt wusste Frank auch wo. Irgendwo im Süden von Kopenhagen hatte man ihn untergebracht, auf einem alten Messegelände. Das Auftauchen der Kraken war als ein Vorzeichen der Apokalypse interpretiert worden, nicht nur von der Sekte.“

debugging

debugging_ebook

erschienen als ebook bei amazon
Kurzgeschichte

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„Er wurde etwas nervös, als er die Software komplett installiert hatte und einen Test mit seinem Kontaktnetz durchführte. Er legte das Kabel, das er mit seinen Kontakten an der Schädelbasis verbinden musste, vor sich hin und breitete das feingliedrige Netz aus, dessen Fäden in streichholzgroßen Platinkuppen endeten.
Nicht nur einmal hatte er in der Vergangenheit überlegt, warum er nicht einfach die Platinkontakte von dem Kabel entfernte, sie verkaufte und aus diesem dreckigen Loch auszog. Doch er wusste, diese Edelmetallteile waren zu auffällig, um sie einfach einem Händler am Hafen in die öligen Finger zu drücken. Der würde wahrscheinlich schnellstens die Polizei informieren und sich auf die Belohnung für Sols Ergreifung freuen. Außerdem stellten Sie so etwas wie den Schlüssel und die Pforte in eine andere Welt da, in die Fantasien der VR-Designer. Das Fluchttor aus der Realität.“

Einhundert Worte für Tod

emotio

erschienen in „Emotio“
Kurzgeschichtensammlung
Wurdack Verlag
ISBN: 978-3938065754

„Die ersten Zweifel kamen Seven, als er die Waffe unter ihrem Kopfkissen fand. Schwere Pistole, Bioaktiv-Munition. Gar nicht ihr Stil.

Wovor hatte sie nur Angst? Wovor konnte man überhaupt Angst haben, hier in diesem Hotelzimmer? Luxussuite, Sheraton. Zwei Wochen im Voraus bezahlt, alles vom Feinsten. Dazu das Sicherheitspaket gebucht, Nano-Drohnen vor den Fenstern. Tigana hatte sich nicht lumpen lassen, als er ihren Unterschlupf reserviert hatte. Hier ließ es sich aushalten, bis Gras über die Sache gewachsen war. Trotzdem hoffte Seven, dass zwei Wochen ausreichen würden.“

Dreistern Blau

nova13

Mein erste Veröffentlichung im NOVA SF Magazin.
Genre: Science Fiction
Verlag: Nova

„In der Ferne erspähten sie die Flüchtlinge. Wortlos deutete Amir in ihre Richtung. Dejan nickte. Langsam schritten sie voran. Als sie die Menschengruppe erreicht hatten, zog Dejan seine Signalpistole aus dem Gürtel und feuerte in die Luft. Hellblaue Blitze tanzten über den Himmel, ließen die ganze unwirtliche Landschaft in kaltem, blauem Licht erstrahlen. Dreistern Blau, Flüchtlinge gesichtet.

Frierende Hände, die sich an Blumentöpfe klammerten. Zitternd, schmutzig. In den Töpfen kümmerliche Pflanzen, halb tot. Die Flüchtlinge der Gruppe waren dürre Gestalten, in Lumpen gehüllt und mit Taschen voll Habseligkeiten: Plastiktöpfe, Dosen, Decken und Schlafsäcke. Ärmlich. Dahinter der Strand, brauner Sumpf, rostige Eisenkrallen, die überall aus dem Boden ragten und nach Stiefeln und Beinen griffen.“

König der grauen Inseln

phantastisch31

erschienen in „phantastisch“
Nr. 31 (2008)
Genre: Science Fiction
Verlag: Verlag Achim Havemann

„Der rostige Ponton, auf dem die Hütte stand, erstreckte sich endlos über den Ozean, wie ein Gitter waren die Metall- und Betonplatten mit schmalen Stegen verbunden. Darunter war das Wasser seicht, vereinzelt ragten Äste der zähesten Bäume durch die Wasseroberfläche. Riesige Möwenschwärme kreisten über den Algenteppichen, ihr Geschrei und das beständige Knarren der Plattformen waren die einzigen Geräusche, die sich über das Rauschen des Windes erhoben. Ito war inzwischen der Einzige, der noch hier lebte. Seit das Meer sich alle Inseln und Riffs von Tuvalu zurückgenommen hatte, gab es nur noch die Plattform, den riesigen Komplex aus Stahl und Beton, erbaut auf den versunkenen Atollen. Es war einsam hier, doch alles, was Ito noch suchte in seinem Leben, war Einsamkeit.“

Lotus Effekt

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erschienen in „Lotus Effekt“
Kurzgeschichtensammlung
Wurdack Verlag
ISBN: 978-393806532

„Rho hatte alles vergessen. Wieder einmal. Wie jeden Tag. Erleichtert seufzend nahm er die Elektroden von den Schläfen, zerrte das Kontaktnetz von seinem Hinterkopf und spie das Mundstück des Beatmers aus. Der Schirm vor seinem Sitz meldete Vollzug. Komplette Bereichslöschung erfolgt. Träge erhob er sich aus dem Sessel. Die Prozedur schwächte ihn jedes Mal. Von einem Pult hinter den Maschinen aus gab ihm ein gesichtsloser Techniker ein Zeichen. „Alles in Ordnung, Sie können jetzt gehen.“
Na endlich. Matt schlurfte Rho in die Umkleideräume herüber. Raus aus dem sterilen Laboranzug, eine heiße Dusche und noch auf einen Drink mit Jona. Das war seine Abendplanung, nicht viel, doch viel mehr ließen momentan seine Kopfschmerzen einfach nicht zu. Früh zu Bett und hoffen, dass die Träume nicht wiederkommen. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass die Träume mit seinen Kopfschmerzen zusammenhingen.“

Habitat

sfx

erschienen in „S.F.X“
Kurzgeschichtensammlung
Wurdack Verlag
ISBN: 3-938065-29-X

„„Ich weiß nicht, ob es richtig war, die Kinder zurückzulassen.“
Zärtlich legte Milo den Arm um Alessias Schulter.
„Sie werden uns folgen. Schon mit einem der nächsten Schiffe.“
„Ja, aber das kann noch Jahre dauern.“
Hinter der Panoramascheibe wütete der Sturm über den unwirtlichen Weiten von CG723. Graue Hügel, so weit das Auge reichte, davor die Gewächshäuser, flankiert von den klobigen Türmen der Atmosphärenwandler.
Er küsste Alessia auf die Stirn. Regen strich gegen das Fenster. Schweigen.
„Fahr nicht raus. Bitte. Nicht heute.“
„Der Sturm wird bereits schwächer. Ich muss nach den Wandlern sehen.“
Milo griff seinen Helm, setzte ihn auf und verschloss umständlich die Verbindungen zum Anzug.
„Ich bin bald zurück.“ Seine Stimme klang jetzt hohl. Alessia nickte, drückte seine Hand und ließ ihn gehen.“